Das Untertage-Gipsbergwerk Altertheim, das Planungsgutachten und die Geophysik: eine kurze Stellungnahme
Das Untertage-Gipsbergwerk Altertheim wird seit einigen Jahren geplant und hat mit Vorlage eines umfangreichen Gutachtens zu einer Unbedenklichkeit eine vorläufige Genehmigung durch die Regierung von Unterfranken erhalten. Das zugrunde liegende Gutachten wird vielfach als unzulänglich diskutiert und insbesondere auf die vollkommen fehlende vorherige Geophysik zur Beurteilung der strukturellen Verhältnisse und zur Platzierung einer sinnvollen Bohrpunktverteilung verwiesen, die offensichtlich geologisch willkürlich 19 Tiefbohrungen auf 7 km2 Abbaufläche bei einem mittleren gegenseitigen Abstand von einem halben Kilometer umfasst.
Mit dem Gutachten und in der Presse (Main-Post) wird wiederholt behauptet, dass keine Geophysik im Vorfeld der Planung gemacht wurde, weil geophysikalische Messungen angeblich wegen der fehlenden Auflösung in der Tiefe des Gipslagers keinen Sinn machen – krass entgegen allen etablierten Kenntnissen und Praktiken in Geologie und Geophysik.
Zufälligerweise ist von unserem Büro vor mehreren Jahren in unmittelbarer Nähe bei Unteraltertheim im Rahmen einer Trinkwassererschließung ein Geophysik-Programm im stratigrafischen Bereich Unterer – Mittlerer Muschelkalk durchgeführt worden.
Der ausführliche Bericht wird hier verständlicherweise nicht wiedergegeben, aber ein charakteristisches Beispiel einer hochauflösenden Geoelektrik mit den Parametern Widerstand und Induzierte Polarisation widerspricht eindrucksvoll der offenbar völlig laienhaften Vorstellung und Behauptung des beauftragten Bergwerksgutachtens.

Abb. 1. Ausschnitt des Digitalen Geländemodels DGM 1 bei Altertheim; Abstand der Höhenlinien 1 m. Rot: Profil des Electrical Imaging.

Abb. 2. Pseudosektionen des Electrical Imaging für das Profil in Abb. 1. Die Geophysik zeigt ein etwa periodisches tektonisches Bruchmuster, das nach aller geologischen Weisheit natürlich sich in die Tiefe fortsetzt. Die Vorstellung und Behauptung des Bergwerk-Gutachter-Büros, dass die mit der Geophysik an der Oberfläche dokumentierte Tektonik und Verkarstung kurz darunter in geringer Tiefe einsetzen, dort auch plötzlich aufhören und das Gipslager völlig ungestört in Ruhe lassen, ist an geologischer Absurdität kaum zu überbieten. – Die Ordinatenwerte an den Pseudosektionen korrelieren mit der Tiefe, sind messspezifische Parameter (Kabelauslagen), aber keine Meterangaben – daher der Name Pseudosektionen. Die Pseudosektionen können durch Modellierungsprogramme in Tiefenschnitte überführt werden, was hier zugunsten einer interpretationsfreien reinen Messdaten-Wiedergabe unterlassen wurde.
Prof. Dr. Kord Ernstson