
Das Untertage-Gipsbergwerk Altertheim wird seit einigen Jahren geplant und hat mit Vorlage eines umfangreichen Gutachtens des von Knauf beauftragten Essener DMT-Gutachterbüros zu einer Unbedenklichkeit eine vorläufige Genehmigung durch die Regierung von Unterfranken erhalten.
Das zugrunde liegende DMT-Gutachten wird vielfach als unzulänglich diskutiert und insbesondere auf die vollkommen fehlende vorherige Geophysik zur Beurteilung der strukturellen Verhältnisse und zur Platzierung einer sinnvollen Bohrpunktverteilung verwiesen, die offensichtlich geologisch willkürlich 19 Tiefbohrungen auf 7 km2 Abbaufläche bei einem mittleren gegenseitigen Abstand von einem halben Kilometer umfasst und – unglaublicherweise – laut Gutachten dazwischen den Computer interpolieren lässt.
Mit anderen Worten: Von den maximal grob 400 Quadratmetern (summiert gerade einmal eine Fläche von 20 m x 20 m) Aufschlussfläche durch die 19 Bleistift-Bohrungen lässt das DMT-Gutachterbüro auf rund 7 Millionen Quadratmeter der geplanten Bergwerksfläche ohne jegliche Kenntnis des geologisch-hydrogeologischen Untergrundes den Computer extrapolieren und interpolieren – und das als Basis und Hauptaussage des Gutachtens. Das lässt sich letztlich als völlig wertlos und allenfalls als Gefälligkeitsgutachten für den Auftraggeber charakterisieren, dem und den befassten und entscheidenden Behörden das vorgelegte Gutachten ein tektonikfreies, 7 Quadratkilometer großes Bergwerksareal mit einer hydraulisch durchgehend das Gigslager abschirmenden Tonschicht suggeriert.
Andererseits ist das Knauf-Gutachten schon sehr präzise: zentimetergenaue Schichtmächtigkeiten in den Bohrungen (S. 121 des Gutachtens):
(Bohrkern: Symbolbild)
Mit dem Gutachten und in der Presse (Main-Post) wird wiederholt behauptet, dass keine Geophysik im Vorfeld der Planung gemacht wurde, weil geophysikalische Messungen angeblich wegen der fehlenden Auflösung in der Tiefe des Gipslagers keinen Sinn machen – krass entgegen allen etablierten Kenntnissen und Praktiken in Geologie und Geophysik.
(Wir von der Geophysik müssen da allerdings eingestehen, dass wir mit unseren Messungen diese zentimetergenaue Auflösung der Schichten in 100 m Tiefe nicht erzielen können … 🙂.)
Eine Gruppe deutscher renommierter Geophysiker hat über die Presse (Main-Post) eindringlich gegen diese allen wissenschaftlichen Erkenntnissen und weltweit umgesetzten Praktiken widersprechende Behauptung des Gutachterbüros protestiert.
Die Geophysiker fragen sich auch, wie das DMT-Gutachten von den beteiligten Behörden als unabhängig deklariert wird, da es ja offensichtlich vom Antragsteller Knauf in Auftrag gegeben und bezahlt wurde. Hier betonen die Geophysiker einhellig, dass sie nicht gegen das Bergwerk sind und die Erkundung und Planung von Knauf als absolut legitim befinden, das DMT-Gutachten aber aufgrund der geschilderten Umstände von Grund auf ablehnen.
Dass sich die Geophysiker-Gruppe über dieses Gutachten empört zeigt, ist zudem leicht nachvollziehbar, weil auf diese Weise die Geophysik und ihre etablierten fantastischen Erkundungsmöglichkeiten des geologischen Untergrundes bis in große Tiefen in unverantwortlicher Weise diskreditiert werden.
Dem Vorwurf von Knauf gegenüber der Geophysiker-Gruppe, dass deren Kritik gegenüber der Presse anonym erfolgt ist, entgegnen die Geophysikbüros, die sich artikuliert haben, und wie in der Main-Post klargestellt wurde, dass ihnen bei Projektausschreibungen Nachteile entstehen können, da die Geschäftsleitung des Essener Gutachter-Unternehmens maßgeblich in der deutschen Geophysik verankert ist. Die Anonymität wird deshalb aus begreiflichen Gründen beibehalten.

