Knauf Gipsbergwerk – Kurzfassung der Kritik am DMT-Gutachten

aus geologisch-geophysikalischer Sicht –

oder: Ein Bild sagt mehr als tausend (DMT-)Worte

— Das DMT-Gutachten und die Aussagen darin beruhen letztlich auf 19 im Mittel etwa 100 m tiefen Bohrungen, für deren Auswahl mit Standort keine nachvollziebare Begründung vorliegt. Nach Aussagen DMT beruht das Gutachten allein auf diesen 19 Bohrungen: Die immer wieder von DMT ins Feld geführten früheren zusätzlichen 75 Grundwasserbohrungen für das angeblich dichte Feld der Aufschlüsse gehen in das Gutachten überhaupt nicht ein und sind demzufolge irreführend.

— Der gegenseitige Abstand der Bohrungen beträgt im Mittel 500 m auf der Fläche des geplanten Abbauareals von 7,1 Quadratkilometern.

— Da die Erkundungsfläche einer der 19 Bohrungen auf dem Bergwerksareal bei üblichen Durchmessern allenfalls ein paar Quadratmeter beträgt, summiert sich die geologisch-hydrogeologische Aussage des DMT-Gutachtens auf 19 x wenige Quadratmeter, hochgerechnet auf allenfalls 40 Quadratmeter. Das ist grob die Fläche eines halben Tennisplatzes. Man muss sich auch klar machen, dass nach dem Ziehen eines Bohrkerns unbekannt bleibt, wie die Geologie 10 m weiter daneben aussieht, selbst nicht einmal weiß man dann, ob die Bohrung auf oder direkt neben einer tektonischen Störung abgeteuft wurde.

— 40 Quadratmeter sind bei 7 100 000 Quadratmetern der gesamten Bergwerksfläche 0,00056338 %.

— Mit anderen Worten: Gerundet auf 0,0005 % der Bergwerksfläche ist die Grundlage für die weitreichenden Aussagen von DMT zu einer nicht vorhandenen Tektonik und einem unkritischen Nebeneinander/Übereinander von Gigsabbau und Grundwasserstockwerk.

— Wie es DMT mit der nicht vorhandenen Tektonik hält, entlarvt die folgende Abbildung

Abb. 1. Das tektonische Blockbild skizziert einen Ausschnitt der Fläche des Bergwerksareals mit einen Dreieck aus drei DMT-Bohrungen, die 500 m voneinander platziert sind – wie dem DMT-Gutachten zu entnehmen. Dazwischen ist ein tektonischer Grabenbruch angenommen, der das Gipslager und die hangenden Schichten mit den Grundwasserstockwerken durchschneidet. Jetzt sind wir der DMT-Gutachter und lassen, wie im Gutachten beschrieben, den Computer zwischen den drei Bohrungen den Schichtaufbau interpolieren. Es ist nicht zu übersehen, dass für den Computer und den DMT-Gutachter der tektonische Grabenbruch gar nicht da ist.

— Weiter gedacht: Das ist nur ein kleiner Ausschnitt der Bergwerksfläche mit der nicht erkannten Tektonik. Mit dem DGM 1 der Fläche ist ein ganzes Blockmuster tektonischer Störungen nicht von der Hand zu weisen, was der Computer und der DMT-Gutachter nicht sehen.

— Es bleíbt der Sachverhalt, dass Knauf und DMT in der Beginnungsphase der Bergwerksplanung keine flächendeckende Oberflächengeophysik haben machen lassen, was bei einem derartigen Projekt weltweit Standard und unverzichtbar gewesen wäre. Argumentation von Knauf und DMT laut Presse-Stellungnahmen, Main-Post): In der Tiefe des Gipslagers von 100 m hätte die Geophysik mangels Auflösungsvermögens keine Informationen mehr liefern können. Außerdem sei mit der „hohen Aufschlussdichte“ der 94 Grundwasserbohrungen die Bergwerksfläche bezüglich der Untergrundstrukturen hinreicheen gut abgedeckt worden (Abb. 1!).

Das ist zu hinterfragen:

— DMT gilt in Deutschland als ein bekanntes Büro für Geophysik, insbesondere für Tiefengeophysik mit der Seismik. Und dieses Büro, das bezüglich Geologie und Geophysik nach seiner Aussage zur unterlassenen und nicht notwendigen Geophysik offensichtlich von Tuten und Blasen keine Ahnung hat, bekommt von Knauf den Auftrag für das lukrative Gutachten zu dem heiß umstrittenen Projekt in der Region.

— Das Argument der nicht notwendigen Geophysik vor der Bohrungsplanung wegen der dann dichten Abdeckung der Bergwerksfläche mit 94 Grundwasserbohrungen könnte in eine ganz andere Richtung zielen. Es ist erwiesen, dass das DMT-Gutachten sich allein auf die 19 Bohrungen bis zum Gips bezieht. Die früheren Grundwasser-Explorationsbohrungen in der Altertheimer Mulde, immerhin 75 an der Zahl, sowie deren doch vermutlich hochinteressanten Ergebnisse im Bergwerkswerksprojekt, werden, man muss es wohl so formulieren, im DMT-Gutachten völlig unterdrückt.

— Damit sind wir bei der unterlassenen Geophysik. Ist es vorstellbar, dass die nicht offenbarten Ergebnisse der 75 früheren Tiefbohrungen und eine flächendeckende Oberflächengeophysik eine möglicherweise erhebliche Tektonik in die Diskussion Bergwerk – Trinkwasserversorgung eingebracht hätten?

Wir belassen es bei dieser Spekulation und zeigen stattdessen in den beiden folgenden Abbildungen allen Wissbegierigen, wie eine fach- und sachgerechte Anwendung geophysikalischer Messungen der Gravimetrie und Geoelektrik konzipiert worden wäre, um relevante Untergrundstrukturen der Tektonik und Verkarstung im Bergwerksareal präzise aufzuzeigen.

Abb. 2. Symbolbild für ein engmaschiges Raster von Gravimeterstationen. In der Messpraxis wird man dieses regelmäßige 100 m-Raster nicht einhalten und gezwungen sein können, sich an Straßen, Wege, Ackergrenzen und selbst an Vegetationsschneisen (Mais, Rüben) zu halten. Das ist aber gängige Praxis. Dazu auch der Beitrag und der Beitrag.

Abb. 3. Geoelektrische Tiefensondierungen sind häufig der zweite Schritt nach vorangegangener Gravimetrie. Während die Gravimetrie wie im vorliegenden Fall größere tektonische Strukturen – Mulden, Antiklinalen, Verwerfungen – aufzeigen und geometrisch modellieren könnte, würden dichte geoelektrische Tiefensondierungen auf Profilen des Electrical Imaging oder in Messpunktrastern mit vertikaler und/oder horizontaler Tomographie den strukturellen und lithostratigraphischen Aufbau des Untergrundes präzisieren. Dazu auch der Beitrag und der Beitrag.

Auch dieses Bild sagt mehr als 1000 Worte:

Abb. 4. Aus dem Beitrag zum Knauf-Gipsbergwerk und zum Digitalen Geländemodell DGM 1 mit Meter und Dezimeter-Auflösung der Geländeoberfläche. Ist es das, warum die 75 alten Grundwasserbohrungen im neuen DMT-Gutachten nicht auftauchen und keine vorherige Geophysik gemacht wurde?