Wassersuche mit der Wünschelrute oder dem Pendel?

Wassersuche mit der Rute hat eine lange Tradition und ist in vielen Teilen der Bevölkerung fest verwurzelt. Im allgemeinen „sieht“ der Rutengänger das Wasser auf sehr schmalen Adern („Wasseradern“), die mit einer Bohrung genau getroffen werden müssen. Geologen und Hydrogeologen wissen aber, dass sich das Grundwasser im allgemeinen auf breiter Front und nur in ganz seltenen Ausnahmen auf engen Spalten bewegt. Deshalb ist es auch unsinnig, Rutengängern zu vertrauen, die auf einem genau bezeichneten Punkt für die Wasserbohrung bestehen. Es ist leicht vorstellbar, dass bei einer solchen Konzentration des Wassers ein Pumpversuch sehr rasch zu einem trockenen Bohrloch führt.

Die meisten Rutengänger  – Frauen und Männer – sind ehrenwerte Personen, die fest an ihre Fähigkeiten glauben. Aber was sind die Tatsachen?

Nach vielen und neuen und neuesten Untersuchungen, zu denen sich eine große Zahl von Rutengängern bereit erklärt hat, steht in der Meinung der damit befassten Tester aus vielen Ländern der Erde fest:

Über 95% aller Rutengänger liefern reine Zufallsergebnisse. Bei den ganz wenigen restlichen bleibt völlig unklar, ob überhaupt ein Zusammenhang der Reaktionen mit dem Wasser besteht. In keinem Fall ist ein solcher Zusammenhang bisher bewiesen worden.

Einleuchtend, dass positive Zufallsergebnisse von Rutengängern als großer Erfolg herausgestellt, die vielen trockenen Bohrungen verständlicherweise verschwiegen werden. Aus diesem Grund gibt es auch keine Statistik über die Erfolglosigkeit der Rutengänger. Erfahrene Bohrmeister von Firmen, die in ihrem Leben unzählige Wasserbohrungen abgeteuft haben, schätzen, dass von Rutengängern festgelegte Bohrungen allenfalls in 20% der Fälle Wasser antreffen.

Die Akzeptanz der Rutengänger resultiert aus der vollständigen Unkenntnis über das Grundwasser in weiten Bevölkerungsschichten. Der durch die Erfolglosigkeit der Rutengänger angerichtete finanzielle Schaden für die Volkswirtschaft, aber auch für kleinere Unternehmen und Privatpersonen ist enorm.

Durch Rutengänger beeinflusste Grundwassererschließungen können förderungsbezogene Probleme und juristische Probleme (Schadenersatz bei trockenen Bohrungen usw.) aufwerfen. Es sind Fälle bekannt geworden, wo Bürger gegen ihre Bürgermeister Klagen wegen Verschwendung von Steuergeldern bei trockenen Wünschelrutengänger-Bohrungen angestrengt haben.

Nicht in den Zeitungen stand die Erfahrung, die z.B. ein Baumschulenbesitzer mit Rutengängern gemacht hat. Nachdem nacheinander sieben (!) Personen nach der „Mutung“ auf dem Lageplan der Baumschule sieben (!) verschiedene farbige Linien der angeblichen Wasseradern aufgemalt hatten und auf ihrer und nur ihrer Richtigkeit bestanden hatten, riss dem Besitzer der Geduldsfaden, und er ließ sich von Geologie und Geophysik beraten. Vergleichbare Geschichten über absurde Wünschelrutengänger-„Gutachten“ ließen sich zuhauf anfügen.

Es gibt immer wieder Berichte mit scheinbar wissenschaftlichem Anstrich über angebliche Erfolge der Wassersuche mit der Wünschelrute. Dazu gehört das sogenannte Scheunen-Experiment von 1987/88 mit 500 Wünschelrutengängern, nach einer kritischen Analyse des angeblich empirisch nachgewiesenen Rutenphänomens allerdings mit dem stets selben Resultat: Zufallsergebnisse – scheinbare Erfolge nicht reproduzierbar.

Beim Kasseler Test von 1992 mit rund 30 Rutengängern, durchgeführt von der GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften), erklärten alle Teilnehmer mit Unterschrift, dass die Versuchsbedingungen korrekt und fair seien und dass sie eine100%ige Erfolgsrate erwarteten. Es wurden nichts anderes als reine Zufallsergebnisse präsentiert.

Die immer wieder ins Feld geführte Studie der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), nach der in den neunziger Jahren bei der Wassersuche in Afrika und Asien angeblich eine enorme Erfolgsrate mit der Wünschelrute erzielt worden sei, geriet schon bald ins Zwielicht.

Vielleicht der überzeugendste „Langzeit-Test“ zur Unwirksamkeit der Wünschelrute (oder des Pendels) ist das sehr seriöse Angebot der Randi-Stiftung in den USA, 1 000 000 $ (eine Million Dollar) an die Person auszuzahlen, die unter strenger wissenschaftlicher Prüfung die entsprechende Fähigkeit (oder auch andere paranormale Fähigkeiten) zeigt. Weltweit weitere etwa zehn Institutionen bieten zum Teil erhebliche Summen für den überzeugenden Nachweis paranormaler Fähigkeiten.

Eingedenk der Einbindung des Wünschelrutengehens in die esoterische Szene gehen immer mehr Rutengänger dazu über, sich einen pseudowissenschaftlichen Anstrich zu geben, indem sie sich technisch aussehender Apparate bedienen und selbst konstruierte Formulare und Nomogramme für eine Art Auswertung ausfüllen. Das soll vermutlich Nähe zu Messungen der Geophysik und eine gewisse Exaktheit suggerieren, ändert aber nichts an der Zufälligkeit der Ergebnisse und letztlich an der Erfolglosigkeit.